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Urheberrecht vs. Persönlichkeitsrecht

Wenn auf einmal Geld fließen soll

Das Wichtigste vor ab: Ich bin kein Anwalt und leiste daher keine Rechtsberatung. Klar. Wäre ja noch mal schöner, wenn einer, der kein Jura studiert und kein einziges Staatsexamen absolviert hat plötzlich auf Anwalt Liebling macht. 

 

Aber dennoch ist das Thema kein Thema, das nur Rechtsvertreter diskutieren können. Im Gegenteil, man sollte es vorher besprechen, bevor sich die Advokaten die Köpfe darüber vor Gericht heiß reden. 

 

Es geht um eine Diskussion, die ich neulich mit einem Model führte. 

„Wenn ich mit meinem Aussehen Geld verdienen will, ist das ausschließlich meine Angelegenheit“

Der Satz oben stammt nicht von mir, klar, wie auch. Fehlt mir doch eben dieses Aussehen für einen guten Businessplan. Es ging um die Frage: Kann  ein Model Bilder eines Fotografen für kommerzielle Zwecke wie Patreon oder Onlyfans verwenden, wenn diese auf TfP-Basis entstanden sind? Diese Frage wurde mir gestellt und ich antwortete: 

 

Dieser Umstand sollte in einem guten TfP-Vertrag geregelt sein. Meist steht dort ein Passus, dass bei kommerzieller Verwendung der Fotograf seine Einwilligung gesondert erteilen muss und oft steht dort auch, dass er dann an den Einnahmen prozentual beteiligt werden muss. Genauso andersrum: Also wenn der Fotograf z.B. ein Foto aus der TfP-Session an ein Magazin verkauft. Dann ist es üblich, um den Daumen herum, ca. 15% der Einnahmen an das Model abzugeben. 

 

By the way: Das ist auch nur fair. 

 

Meine Antwort indes war nicht ganz so das, was das Model hören wollte. Denn, es gäbe keinen Vertrag und die Verwendung der Werke auf Patreon sei ja kein kommerzielles Unterfangen. Moment? Ist es das wirklich nicht? Bilder für monatliches Abonnemententgelt anzubieten? Ja, so die Antwort, sie verkaufe die Bilder ja nicht, sondern lässt die nur gegen Geld angucken.

 

So weit, so gut - oder eher schlecht. Ob das Bild den Besitzer wechselt oder nur gegen Entgelt angeschaut wird ist indes schnurz. Kohle ist Kohle. Kommerziell ist es auf jeden Fall. Bei genauer Betrachtung muss bei "kommerziell" noch nicht mal Geld fließen, es reicht schon die Absicht, dass Geld fließen soll oder gar könnte. (Aber genug der juristischen Haarspaltereien).

 

Dem Fotografen was des Fotografen ist und dem Model was dem Model ist

Sie argumentierte weiter, dass es schließlich ihr Körper, ihr Aussehen, ihre Person seien, die da vermarktet würden, also sei es ganz allein ihre Entscheidung: Sie hätte alle Rechte am Bild. Jap, da ist was dran. Klar, sie hat Rechte am Bild. Das Persönlichkeitsrecht. Das kann sie nicht mal gegen alles Geld der Welt veräußern. Geht nicht. Ist ihrs. Richtig. 

 

Aber: Der Fotograf hat auch Rechte an dem Bild. Nämlich das Urheberrecht. Er hat das Werk gestaltet und erstellt. Also ist er der Urheber. Somit ist er der einzige, der das Bild lizenzieren kann und "frei" geben kann für diese Art der Verwendung. (Edit: Auch das kann er nicht veräußern, das Urheberrecht. Das ist und bleibt seines - sogar über einen Tod hinaus. Aber das ist ein anderes Thema.)

 

Bei genauer Betrachtung muss er sogar bei einer solchen Verwertung auch  entlohnt werden (siehe oben Vertrag).

 

Wer also einfach Bilder aus TfP-Sessions veröffentlicht und diese Veröffentlichung nicht vertraglich geregelt ist, muss sich mit dem Bildbeteiligten auseinandersetzen und diese Erweiterung diskutieren. Gilt für beide - klar. 

 

Ich meine sogar, dass TfP-Verträge, die für beide Parteien nicht ausgeglichen sind, keine echten TfP-Verträge sind. Also gleich zu Beginn einer Fotosession drauf achten, was man unterzeichnet hat.

Fazit: TfP-Bilder eignen sich für Patreon/Onlyfan oder andere Plattformen nur dann, wenn der Urheber des Bildes sein okay dafür gegeben hat (am besten schriftlich) und fair wäre es, wenn er beteiligt werden würde an den Einnahmen. Ansonten einfach Pay-Verträge machen und der Fotograf ist mit einem Honorar für seine Tätigkeit entlohnt. 


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