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Handwerkszeug

Neulich traf ich einen Fotografen. Einen Hobbyfotografen mit einer beachtlichen, sehr professionellen Ausrüstung im Gepäck. 


Professionell im Sinne von: für jede Situation  fand sich etwas in seinem Fotorucksack. Und im Sinne von Highend Produkten: Kamerabody , Objektive vom Weitwinkel bis zum 500er Zoom, Blitz und vieles mehr von namhaften und hochprofessionellen Herstellern. 


Im Gespräch zeigte er mir seine Bilder. Und ich muss zugeben, ich habe etwas getan, was ich sonst nie tat. Ich brachte seine Bildleistung mit seiner Ausrüstung in Verbindung. Ich ertappte mich bei dem Gedanken: „Bei der Ausrüstung wäre aber mehr drin, was die Qualität der Fotos anbelangt."


Ich mag diesen Gedanken nicht. Gar nicht. Für mich sind Ausrüstung und Bildqualität zwei komplett unterschiedliche Dinge. Mein Credo ist: auch mit  günstiger Gerätschaft kann man beeindruckende Momente einfangen.


Aber irgendwie ließ mich das nicht los. Ich war wohl an dem Tag mies gelaunt. Und ich tat schon wieder etwas, was ich sonst nie tat. Ich fragte: „Mit welcher Einstellung hast du das Bild gemacht?". Ob der Antwort war ich verblüfft.


„Keine Ahnung, ich fotografiere nur auf Automatik", war die Antwort.


Wow. 


Okay, eine Ausrüstung für mehrere tausend Euro und ... Aber egal. Ist ja schnurz. Aber für mehrere tausend Euro Funktionen und Möglichkeiten gekauft und diese ungenutzt lassen war und ist in einem Augen Frevel.


Damit aber war ich noch nicht am Ende meines Erstaunens. Ein anderer gesellte sich zu uns und betrachtete die Arbeiten. Wohlwollend. Denn er versuchte sich an Kritik des Bildaufbaus.


Ich bemerkte, dass dies dem Urheber der Werke nicht unangenehm war sondern egal. Aber eines ließ mich aufhorchen. „Mit einer kleineren Blende hättest du das Foto spannender gemacht.“, lautete eine Kritik. Die Antwort darauf: „Ich kümmere mich nicht darum."


Ein paar Sätze später stellte sich heraus, dass er keine Ahnung vom Zusammenspiel der Blende, der Verschlusszeit und der ISO hatte. Er wusste nicht mal, wie man diese Dinge an der Kamera einstellt. 


Ich will nicht urteilen, nichts liegt mir ferner als das, denn jeder darf und kann tun was er will, nach seine Philosophie.


Und nun kommt das Aber: malen mit Licht bedeutet die Grundlagen zu beherrschen. Optik. Physik. Nicht mathematisch unbedingt, aber vom Gefühl. Schärfe und Unschärfe. Hell und Dunkel.


Denn das menschliche Auge macht es doch nicht viel anders? Und wir müssen dieses immitieren als Fotografen. Um Perspektiven zu zeigen, die sonst verborgen wären.


Oder sehe ich das falsch?