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Besondere Herausforderung

Das Hobby in Zeiten einer Pandemie

Das Jahr 2020 wird in Erinnerung bleiben - bei vielen. Epochal ist dieses Ereignis, in dem wir uns befinden. So etwas ist noch nie dagewesen und auch keiner unserer Altvorderen kann sich daran erinnern, dass es so etwas je gab. 

Pandemie ist das Wort, das mehr Angst und Schrecken verbreitet, als dass es eigentlich das beschreibt, was es ist: Eine besondere gesellschaftliche, medizinische Herausforderung, die uns alle betrifft. 

 

Und was hat das mit Fotografie zu tun?

So eine  chinesische Krankheit hat ja nichts mit der Fotografie zu tun, oder? Was im Dezember begann, weit entfernt, in einer Gesellschaft, von der wir nicht viel wissen und vielleicht auch nicht viel wissen wollen, hat uns eingeholt. Steht nicht mehr nur vor der Tür, sondern ist schon in unseren Alltag eingedrungen. 

 

Viele von uns arbeiten schon im Home-Office, manche haben sogar gar keine Arbeit mehr, wiederum andere sind freigestellt, da Kindertagesstätten, Schulen und ähnliches geschlossen wurden. Genug Zeit, um sich dem Hobby zu widmen? Es sind ja keine Massenveranstaltungen wenn man sich zum Fotografieren trifft, oder? Muss ja nicht immer gleich ein Walk mit mehreren Leuten sein. Wir treffen uns ja nur in kleinen Gruppen - manchmal eins-zu-eins. 

 

Wenn wir Virologen hören, und Politiker, die vom wissenschaftlichen Rat dieser Fachleute abhängig sind, so wird auf Zeit gespielt. Es wird versucht, der Verbreitung des Viruses Einhalt zu gebieten. Nicht, um die Ansteckung einzelner zu verhindern - der Zug scheint schon abgefahren zu sein. Um zu verhindern, dass sich zu viele in zu kurzer Zeit anstecken und somit die Anzahl der Komplikationen explosionsartig steigt. Denn das würde bedeuten, dass wir ohne Therapiemittel, ohne ausreichend geeigneter Pflege- und Behandlungsstellen quasi wehrlos einer Flut von Kranken gegenüberstehen würden. Zustände, wie sie derzeit leider in Italien zu beobachten sind. Wo von Ärzten entschieden wird, wer noch behandelt und wer seinem Schicksal überlassen wird. 

 

Das Virus ist für die Mehrheit nicht tödlich, es ist kein Ebola, kein Milzbrand. Aber es ist für viele bedrohlich, denen man helfen muss, um eine Infektioin zu überleben. Wer das genau ist, weiß man nur im Ansatz: Alte (wobei das schon mit Ende 50 beginnt), Geschwächte (wobei das schon für Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes gilt) und chronisch Kranke (und hier ist sogar der weitverbreitete Bluthochdruck betroffen, von Asthma ganz zu schweigen). 

 

Und diesen Menschen kann im Falle eines Falles geholfen werden, wenn genügend Zeit bleibt um sich vorzubereiten: Krankenbetten, Personal, Material. 

 

Und jetzt geht es um die Mathematik: Ein Virus funktioniert wie ein Uhrwerk sagte gestern Alexander Kekulé, ein Virologe im TV. (Zitat: "Ein einziges Kind könne binnen acht Wochen 3000 Menschen anstecken, was zu 15 Todesfällen führen könne, rechnet er vor. Das Virus verhalte sich berechenbar wie ein Uhrwerk. Um es zurückzudrängen, halte er es für richtig, das öffentliche Leben stillzulegen, vielleicht bis zum Ende der Osterferien." ). Es kann berechnet werden. In unterschiedlichen Szenarien. Das ist der größte Nachteil dieses unbekannten Gegners. Und diese Berechnungen sagen voraus, was passiert, wenn wir nichts tun. Wenn wir so leben wie bisher. Eng auf eng, Tag für Tag und das Virus ein Leichtes hat von einem zum anderen zu wandern. 

 

Man kann aber auch berechnen, was passiert, wenn man dem Virus nicht ganz leichtes Spiel einräumt: Wenn man soziale Kontakte (also das Aufeinandertreffen von Menschen) auf das Notwendigste reduziert. Den Abstand von Mensch zu Mensch so groß hält, dass das Virus nicht überspringen kann. Dann, so die Virologen weiter, wäre der Spuk schnell vorbei. Ein Shutdown auf null, rein theoretisch, würde in 14 Tagen das Virus aussterben lassen. Dass das nicht geht ist klar - zeigt aber wie wichtig der Faktor "soziale Kontakte" ist. 

 

Wir können nicht alles absagen - leben vom Geld für unseren Job. Andere sind auf unseren Job angewiesen (man denke nur an Verkäufer, Apotheker, Polizisten, medizinisches Personal, Angestellte etc...). Daher ist es klar, dass nach Notwendigkeit geklärt werden muss, welche sozialen Kontakte reduziert werden müssen. Und hier sind wir beim Punkt: Was hat das mit meiner Fotografie zu tun? 

 

Wenn die Fotografie als Hobby dient, ist das einer der Kontaktpunkte, die reduziert werden kann - ja in meinen Augen sogar reduziert werden muss - in den nächsten 14 Tagen zumindest. 

 

"Ich hab aber nichts und mein Model auch nicht" - wird als Argument angebracht. Hand aufs Herz: Wissen wir das? Wir wissen nur bei den Personen, die auf Grund ihres Aufenthalts in einem der Risikogebiete und auf Grund möglicher Beschwerden getestet wurden, ob sie es haben oder nicht. Wer das Virus trägt ist ungewiss, da es nicht ausbrechen muss, aber ansteckend weitergetragen werden kann. Der Virologe aus dem TV spricht wie andere Virologen auch von einer Zahl der Infizierten die wir ungefähr dreimal so hoch schätzen können, als die Fälle, die uns bekannt sind. Aktuell 5800 (16.3.2020) gemeldet, wären also rund 18.000 in Wirklichkeit.

 

Und nochmals die Hand aufs Herz: Beim Fotografieren kommt man sich näher als 2m - man zeigt die Bilder auf der Kamera, man redet, man fährt gemeinsam im Auto. So dass der Vergleich: "Dann darfst du auch nicht mehr Einkaufen" mehr als hinkt. Denn bei Einkauf oder dem Spaziergang kannst du gut 2m Abstand halten.  

 

Daher: Verwantwortung beginnt damit, zu wissen, mit was man es zu tun hat. Jeder einzelne hilft mit, wenn er in nächster Zeit seine Aktivitäten zurückschraubt. So schwer es fällt, so weh es tut. Es ist leider kein Schnupfen, der hier kursiert. 

 

Dem Hobby wird es nicht schaden in nächster Zeit kürzer zu treten - vielen Menschen aber leider schon. 

 

PS: Nein ich habe keine Hamsterkäufe gemacht, ich bin nicht panisch oder ängstlich. Aber Realist genug um mit meinen Mathekenntnissen Chancen und Risiken berechnen, bzw. diese Rechnungen nachvollziehen zu können. Und ja, wenn ich die Risikogruppen anschaue, gehöre ich und viele meiner Liebsten in der nächsten Umgebung auch dazu. Und deren Gesundheit möchte ich nicht wegen ein paar "coolen shots" riskieren. 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Andreas.Wenk.Photography (Mittwoch, 18 März 2020 11:56)

    Wahre Worte. Da ich zur Risikogruppe gehöre (Chronisch Krank und nehme Immunblocker) darf ich nicht mal mehr arbeiten gehen. Und andere tun so als wäre nix und tingeln munter durch die Städte.

  • #2

    Claus Wagner (Freitag, 27 März 2020 12:46)

    Danke Andreas, für dein Feedback - ja, man kann schnell zur Risikogruppe zählen, sogar dazugehören ohne es zu wissen. Es ist eine Frage der Vernunft und der Verantwortung zugleich. Es hat sich in der letzten Zeit viel geändert, stündlich neue Nachrichten - bleib gesund