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Fine Art? Oder feine Art

Fine Art - Oder Die feine Art?

Über Schönheit lässt sich streiten - oder über Schönheit lässt sich nicht streiten? Wie dem auch sei, der Begriff Schönheit ist je nachdem wie man ihn verwendet mehr oder weniger trennscharf. 

 

Was wird nicht alles als schön bezeichnet? Ein schönes Auto, schönes Wetter, schönes Buch bis hin zum schönen Essen. 

 

Neulich ist mir etwas passiert, das mich weniger aufgeregt als vielmehr über den Geist mancher Zeitgenossen hat nachdenken lassen. 

 

Bekanntlich befinden wir uns alle, ja gar weltweit, in einer ganz besonderen Lage. Dieses Sars-cov-2 Virus hat unseren Alltag und somit uns alle fest im Griff. Die Reaktionen auf diesen Würgegriff sind indes sehr unterschiedlich. Die einen machen weiter als wäre es nur ein kursierender Schnupfen, andere lassen sich sichere Shootingvarianten einfallen.

 

So auch eine ganz liebe Followerin, mit der ich viele Projekte umsetzen wollte, aber durch das Virus nicht dazu kam.

 

Eben diese Followerin schickte mit ein paar Fotos zu, die sie mit Fernauslöser von sich selbst gemacht hat. Begleitet mit den Worten: „Ich weiss, die Bilder sind fotografisch nicht perfekt, unscharf sogar, aber sie zeigen schön die momentane Situation und mich, wie ich mich darin sehe."

 

Die Frage, ob ich die Bilder etwas bearbeiten würde, wurde von mir mit „ja, klar" beantwortet. Eine Chance, eine solche Reportagenidee begleiten zu dürfen, die lass ich nicht aus.

 

So kam es, dass das Bild schwarzweiss bearbeitet von mir den Weg in das Instagram-Portfolio des Models fand. Und so, um die Idee etwas zu befeuern auch in meine Story.

 

 

„Was hat es mit diesem Bild auf sich?

Wow, was für eine Frage, dir kurz nach dem Posten des Bildes als Direktnachricht hereinkam! Wie sollte ich diese Frage einordnen, stand doch die Idee dabei. 

 

Okay, kurz erklärt. Kein Problem  die Fragestellerin kannte ich persönlich also warum nicht. Aber es kam keine Reaktion, außer: „Dann ist das Bild also freiwillig entstanden😳" 

 

Ich dachte, vielleicht kann man diesen letzten Satz noch diskutieren, und antwortete, dass ich der Äußerung entnehme, es wurde nicht gefallen. Aber zu spät. Der Kontakt war abgebrochen, mein Profil zählte einen Follower weniger. 

 

Nach vier Jahren war es also ein Bild und vielleicht ein falsches Wort, der Grund, das man ein Follow zurückzieht.

 

 

Schön - Ist immer egoinvolviert.

Es scheint als hätte die Schönheit des Bildes nicht dem Ideal der Betrachterin entsprochen. Auch die Einordnung des Bildes in einen Kontext könnte das Urteil nicht besänftigen.

 

Nichts dagegen:  Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das ist so und wird immer so bleiben. Zum Glück ... Die Suche nach der Schönheitsformel blieb bisher ergebnislos.

 

Aber was mich etwas stört ist die offensichtliche Einschränkung auf das eigene Schön. Keine Toleranz wohl auf ein anderes Schön. Okay, vielleicht war es das Bild, das zum Nachdenken geführt hat und vielleicht alle meine Bilder ihrem schon nicht entsprechen. Okay.

 

Wenn Menschen von großen Fotografen sprechen und sogar schwärmen und sich nacheifernd sehen, diesen idealen zu entsprechen oder ihnen Nahe zukommen, dann Frage ich mich immer: ist dieses Enge nicht genau contraire?

 

Waren Fotografen wie McCurry, Capa, Lebeck,  Nachtweyh, Bourke-White nicht auch große Fotografen? Große der  Reportagenfotografie? 

 

Mit ist es nach vier Jahren egal wer mir folgt oder nicht ... Aber soziale Medien geben einem, so finde ich, ein Bild über die Oberflächlichkeit manchen Denkens.